Ursprung Zuchtigel

Dyshidrosiforme Tinea manus durch T. erinacei

© fotoparus / AdobeStock

Autor: Prof. Dr. med. Peter A. Mayser, Facharzt für Dermatologie und Venerologie

Anamnese:

37-jährige Patientin, zehn Tage vor Vorstellung kleine rötliche Papel am Mittelfinger links, rasche Befundzunahme. Vier Tage später unter Verdacht auf eine allergische Reaktion lokale Therapie mit Hydrocortisoncreme und Betaisodona® Salbe.

Weitere Befundzunahme, starker Juckreiz und Brennen im Bereich des betroffenen Fingers. Allergien nicht bekannt, keine regelmäßige Medikamenteneinnahme. Haustiere: Katze, Hund und Igel.

 

Lokalbefund:

Am Digitus III der linken Hand sind End- und Mittelphalange geschwollen, es finden sich wasserklare teils konfluierende Bläschen, der Nagel ist frei (Abb. 1 und Abb. 2).

Abb 1: Ausgangsbefund © Almirall Hermal GmbH
Abb 2: Ausgangsbefund © Almirall Hermal GmbH

Labor:

Im Nativ- und PAS-Präparat (Abb. 3) reichlich Hyphen und Sporen. In der Kultur Wachstum eines weißlichen Thallus mit gipsig-pudriger Oberfläche und reichlich gelbem Pigment an der Unterseite, welches teilweise in den Nährboden diffundiert. 

Die Verdachtdiagnose T. erinacei ließ sich molekularbiologisch bestätigen. Der Pilz ließ sich auch auf haarlosen Stellen mehrerer Igel nachweisen (Abb. 4).

Abb. 3: Nativ- und PAS-Präparat mit deutlichen Hyphen und Sporen © Almirall Hermal GmbH
Abb. 4: Pilzbefall an Igel © Almirall Hermal GmbH

Therapie:

Terbinafin oral 250 mg/d über 14 Tage, lokal Flupredniden + Miconazol-haltige Creme zweimal täglich dünn (Decoderm® tri Creme)* (zum Pflichttext aller genannten Präparate). Darunter rasche Linderung des Juckreizes und der Entzündung. Bei der Kontrolle nach etwa drei Wochen Befund weitgehend in Abheilung, Mykologie negativ (Abb. 5 und Abb. 6).

Abb. 5: Befund nach drei Wochen © Almirall Hermal GmbH
Abb. 6: Befund nach drei Wochen © Almirall Hermal GmbH

Diskussion:

Das Beispiel zeigt die stark entzündlichen, an ein Kontaktekzem erinnernden Veränderungen durch zoophile Dermatophyten. Das Spektrum dieser Erreger ändert sich aber auch mit Verbreitung und Art der Haustiere. In der vertieften Anamnese stellte sich heraus, dass die Patientin Igel züchtet (Amerikanische Weißbauchigel – Atelerix albiventris; europäische Igel – Erinaceus europaeus dürfen als Wildtiere nicht gezüchtet werden) und 21 Igel zu Hause hat, die alle tierärztlich untersucht und behandelt wurden. Durch die infizierten Igelstacheln wurde der Erreger förmlich in die Haut inokuliert, was zu dem stark entzündlichen Verlauf beigetragen haben könnte.

Der Diagnose lag in diesem Fall also eine echte „Igelleistung“ zugrunde. Erneut wurde aufgrund der Beteiligung der Leistenhaut eine systemische antimykotische Therapie durchgeführt. Insbesondere der starke Juckreiz und die ausgeprägte Entzündung ließen eine Kombinationstherapie aus einem Glukokortikosteroid und einem Antimykotikum dringend indiziert sein. Die rasche Besserung der subjektiven Symptomatik unter Decoderm® tri Creme (zum Pflichttext aller genannten Präparate) bestätigten dieses Vorgehen.

*Fachinformation Decoderm® tri: Decoderm® tri sollte üblicherweise nicht länger als 1 Woche angewendet werden.

Literatursiehe PDF

Pflichttextesiehe „Pflichttexte“ für alle genannten Präparate

Weitere Informationen finden Sie im Heft „Zoophile Mykosen – Fälle aus der Praxis“

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