„Tinea incognita“

Genitoanale Mykose bei Diabetes mellitus

© Kateryna_Kon / AdobeStock

Autor: Dr. med. Viktor Czaika, Facharzt für Innere Medizin, Facharzt für Dermatologie und Venerologie

Diagnosen:

  • Tinea inguinalis, Tinea pedis und Onychomykose durch Trichophyton rubrum
  • Chronisch entgleister Diabetes mellitus Typ II (insulinpflichtig)

 

Anamnese:

Die 72-jährige Patientin beklagt seit nun schon drei Monaten bestehende und langsam zunehmende entzündlich schuppende Hautveränderungen im Bereich der Leisten. Insbesondere sei ein zunehmender Juckreiz lästig. Bisher angewandte Kortisonsalbe hätte die Hauterscheinungen abblassen lassen. Aber nach deren Absetzen sei es zu erneuter Rötung gekommen und insgesamt hätte sich der Befund in der Fläche und jetzt auch schon auf den rechten Oberschenkel ausgedehnt. Bei der Patientin ist ein insulinpflichtiger Diabetes mellitus Typ II vorbekannt (Abb. 1, 2 und 3).

Abb. 1: Anamnese © Almirall Hermal GmbH
Abb. 2: Anamnese © Almirall Hermal GmbH
Abb. 3: Anamnese © Almirall Hermal GmbH

Lokalbefund:

Beidseits inguinal und in einem Durchmesser von etwa 25 cm sich auf den rechten Oberschenkel ausdehnende erythematöse fein- bis mittellamellär schuppende Plaques mit deutlicher Rand-betonung. Beidseits plantar ebenfalls erythrosquamöse aber nur mild entzündliche Plaques mit Randbetonung, knapp über den Fußrand reichend. Gelbliche Onychodyschromasie und Onychodystrophie aller Zehennägel.

 

Labor:

HbA1c von 9,2%

 

Mykologie:

Hautschuppen aus Randbereich: KOH-Nativmikroskopie – positiv.

Kultur auf Sabouraud-Agar – Trichophyton rubrum.

Nagelmaterial: KOH-Nativmikroskopie – positiv.

Kultur auf Sabauroud-Agar – Trichophyton rubrum.

 

Therapie und Verlauf:

In Gesamtschau von Anamnese und mikrobiologischem Befund kann eine antropophile Dermatophytose durch Trichophyton rubrum nachgewiesen werden. Es ist eine Autoinokulation von der Tinea pedis wahrscheinlich. Die Konstellation einer länger verkannten und fehl-behandelten Tinea durch Trichophyton rubrum wird auch als Tinea incognita bezeichnet. Begünstigt durch die rein steroidale Behandlung und durch den bestehenden Diabetes mellitus konnte sich die Mykose ausbreiten. Es wurde eine zweiwöchige Behandlung mit Decoderm tri® Creme (zum Pflichttext aller genannten Präparate), einer Fixkombination aus dem Breitspektrumantimykotikum Miconazol und dem Steroid Flupredniden, eingeleitet*. Nach zweiwöchiger Behandlung waren die Hautveränderungen im Leisten-und Rumpfbereich fast vollständig abgeheilt, der Restbefund wurde für weitere sieben Tage mit Miconazol in Monotherapie therapiert.

Eine antimykotische Systemtherapie der Nägel lehnte die Patientin ab. Hier wurde die regelmäßige Anwendung von Ciclopirox-haltigem Nagellack (z. B. Ciclopoli® Nagellackzum Pflichttext aller genannten Präparate) empfohlen. Diabetes mellitus stellt eine in Studien (z. B. Achilles-Project 1997) nachgewiesene wichtige Prädisposition für Dermatomykosen dar. Im vorliegenden Fall konnte bei einem HbA1c von 9,2% eine chronische hyperglykämische Dysregulation nachgewiesen werden. Es erfolgte die Dosisoptimierung des vorbestehenden intensivierten Insulin-therapiekonzeptes mit Analog-Insulin.

* Laut Fachinformation sollte Decoderm® tri üblicherweise nicht länger als eine Woche angewendet werden.

Pflichttextesiehe „Pflichttexte“ für alle genannten Präparate

Weitere Informationen finden Sie im Heft „Zoophile Mykosen – Fälle aus der Praxis“

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