Candida follikulitis bei Diabetes

Hinweis auf Stoffwechselstörung

© Tatiana Shepeleva / AdobeStock
Autor:  Prof. Dr. med. Peter A. Mayser, Facharzt für Dermatologie und Venerologie

 

Diagnosen:

  • Candidafollikulitis
  • Erstmanifestation eines Diabetes mellitus Typ II

 

Anamnese:

37-jähriger Patient, seit drei Wochen Haut-veränderungen im Bartbereich. Bisherige Therapie mit Amoxicillin 1g zweimal täglich über 7 Tage, bei ausbleibender Besserung Umstellung auf Flucloxacillin. Lokaltherapie mit einer Gentamycin-haltigen Creme. Alle Maßnahmen ohne Erfolg. Kein Tierkontakt. Vorerkrankungen nicht bekannt.

 

Lokalbefund:

Insbesondere im Bereich der Kinnregion follikulär gebundene Papeln und Pusteln. Die umgebende Haut ist gerötet, mäßig-gradige kleinlamelläre Schuppung. Subjektiv Brennen und Juckreiz (Abb. 1 bis 3).

Abb. 1: Lokalbefund © Almirall Hermal GmbH
Abb. 2: Lokalbefund © Almirall Hermal GmbH
Abb. 3: Lokalbefund © Almirall Hermal GmbH

Labor:

Blutglukose nüchtern 210 mg/dl; HbA1c 8,5%

 

Mykrobiologie:

Aus dem Abstrich sowie der Inokulationskultur epilierter Haare Wachstum von Candida albicans (Abb. 4).

Abb. 4: Candida albicans © Almirall Hermal GmbH

Therapie:

Itraconazol Kps. 100 mg zweimal täglich oral über 14 Tage; Lokalbehandlung mit Decoderm tri® Creme(topisches Kortikoid Klasse 2+ Miconazol; zum Pflichttext aller genannten Präparate) über 7 Tage, zudem Umschläge mit Octenisept-Lösung; Medikamentöse und diätetische Einstellung des erstdiagnostizierten Diabetes mellitus.

 

Kommentar:

Die Candidafollikulitis (Synonym Folliculitis [barbae] candidomycetica) wird insbesondere im Bartbereich erwachsener Männer durch vornehmlich Candida albicans hervorgerufen. Prädisponierende Faktoren sind Diabetes mellitus (oft Erstmanifestation) und allgemeine oder örtliche Schwächung der Abwehrlage.

Chronischer Verlauf und fehlendes Ansprechen auf antibiotische Therapie sind hinweisend wie der Nachweis von Candida albicans aus Krusten und an epilierten Barthaaren.

 

Differenzialdiagnose:

Impetigo contagiosa, Tinea barbae, staphylogene Ostiofollikulitis, gramnegative Follikulitis.

Pflichttextesiehe „Pflichttexte“ für alle genannten Präparate

Weitere Informationen finden Sie im Heft „Zoophile Mykosen – Fälle aus der Praxis“

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