Candidose vom Klettern

Leistenpilz nach Wanderwochenende

© serhiipanin / AdobeStock
Autor: Dr. med. Viktor Czaika, Facharzt für Innere Medizin, Facharzt für Dermatologie und Venerologie

 

Diagnose:

Intertrigo candidomycetica

 

Anamnese:

Die 55-jährige Patientin verbrachte ein verlängertes Wanderwochenende in der sächsischen Schweiz. Es war sehr heiß in diesen Junitagen und sie hatte neue, und wie sie zugab, etwas zu enge Leibwäsche getragen. Zuerst hätte es nur etwas gejuckt in der rechten Leiste. Doch im Zuge der kräftezehrenden Klettertouren hätten sich beide Leisten zunehmend gerötet und sie würde nun unter heftigem Juckreiz und Brennen leiden.

 

Lokalbefund:

Inguinal beidseits düsterrote randständig schuppende Plaques. In den Hautfalten selbst nässende Mazeration. Im Randbereich der Läsionen teils Satellitenläsionen (Abb. 1). Vulvovaginal unauffälliger Befund, insbesondere reizfreie Vaginalschleimhaut.

Abb. 1: Intertrigo candiomycetica inguinal bds. © Almirall Hermal GmbH
Abb. 2: Candida albicans auf Sabouraud-Agar nach 48 h-Kultur bei 36°- Inkubation. © Almirall Hermal GmbH

Diagnostik:

Mykologie: Abstrich aus Leiste links: Candida albicans +++. (Abb. 2)
Bakteriologie: Abstrich aus Leiste links: Staphylococcus epidermidis ++

 

Therapie und Verlauf:

Die Hautfaltenbereiche bilden generell als „feuchte Kammer“ eine zu mykotischen oder bakteriellen Infektionen prädisponierende Lokalisation. Die ungewohnte längere Bergwanderung der Patientin mit zu eng anliegender wenig atmungsaktiver Leibwäsche führte über das „Scheuertrauma“ zu intertriginösen erosiven Hautdefekten. Entsprechend des heißen Sommerklimas konnte die kutane Candidose als „Reisemykose“ umso rascher lästig werden. Auch im vorliegenden Fall konnte Candida albicans nachgewiesen werden.

Zumeist ist der eigene Gastrointestinaltrakt der betroffenen Patienten das endogene Sprosspilzreservoir. Die immer stark entzündliche genitale Kandidose erfordert neben der antimykotischen Behandlung eine gleichzeitig antiekzematöse Therapie. Entzündliche intertriginöse Befunde können auch durch Bakterien bedingt sein. Die im vorliegenden Falle nachweisliche zusätzliche Kolonisierung mit Staphylococcus epidermidis wird eher als  sekundär interpretiert. Im vorliegenden Fall kam die trivalent, also antimykotisch, antiekzematös und antibakteriell wirkende Decoderm® tri Creme (zum Pflichttext aller genannten Präparate) zur Anwendung.

Aufgrund des Leidensdruckes der Patientin musste die Behandlung noch vor Eintreffen der mikrobiellen Diagnostik kalkuliert beginnen. Unter der Therapie kam die kutane Kandidose nach knapp einer Woche zur vollständigen Abheilung.

Neben den Triazolen wie Miconazol ist auch Nystatin ein wirksames Mittel spezifisch gegen Sprosspilze. Doch auch dieses sollte in Kombination mit einem Steroid appliziert werden. Eine antibakterielle Wirkung ist dem Nystatin jedoch nicht zu eigen.

Literatur: siehe PDF

Pflichttextesiehe „Pflichttexte“ für alle genannten Präparate

Weitere Informationen finden Sie im Heft „Mykosen in der Gynäkologie – Fälle aus der Praxis“

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