Zoophile Mykosen

Mykose nach Tierkontakt: Fallberichte und Therapieoptionen

© goodluz / AdobeStock (Symbolbild mit Fotomodell)
Autor: Prof. Dr. med. Peter A. Mayser, Facharzt für Dermatologie und Venerologie

 

Dermatophyten sind keratinophile Pilze, die von Mensch und Tier stammende Keratin-haltige Strukturen (Haare, Nägel, Schuppen) verwerten können [1]. Dies umfasst sowohl saprophytäre, meist im Boden lebende (geophile) Arten, die durch den Abbau toten Keratins eine wichtige ökologische Funktion erfüllen als auch Arten, die als Mykose-Erreger vitales Wirtsgewebe befallen, sich in diesem ausbreiten, vermehren und Destruktionen verursachen können. Ausmaß der Entzündung und damit die klinische Präsentation zeigen eine hohe Variabilität, wobei sowohl Wirts- als auch Erregerfaktoren eine Rolle spielen.

Während anthropophile Dermatophyten an den Menschen angepasst sind und bei diesem zumeist nur gering entzündliche chronische Infektionen hervorrufen, können zoophile Arten durch Kontaktinfektion zu meist stark entzündlich verlaufenden Infektionen beim Menschen führen. Zoophile Arten werden vor allem von warmblütigen Tieren isoliert [2]. Aufgrund spezifischer Anpassung an ihre bevorzugten Wirte sind die Tiere oft nicht selbst erkrankt, aber asymptomatische Überträger. Dies kann beim Aufdecken von Infektionsketten mitunter erschwerend sein.

Infektionen des Menschen durch zoophile Erreger sind im Allgemeinen auf Regionen beschränkt, in denen die Hauptwirte auftreten. Mensch-zu-Mensch-Übertragungen oder Übertragungen über unbelebte Gegenstände sind jedoch möglich. Weltweit verbreitet sind M. canisT. benhamiaeT. mentagrophytesT. verrucosum und T. Equinum. Andere wie T. quinckeanum und T. simii sind eher selten in Mitteleuropa nachzuweisen.

Da zoophile Dermatophyten nicht an den Menschen als Hauptwirt angepasst sind, können sie bei diesem stark inflammatorische Reaktionen hervorrufen. Durch die ausgeprägte und klinisch oft eindrucksvolle Entzündungsreaktion können die Erkrankungen zwar spontan abheilen, jedoch kann dies auch mit überschießenden Immunreaktionen [3] und/oder einer Defektheilung einhergehen (z.B. Haarverlust durch Zerstörung des Follikels). Zudem sind die damit einhergehenden Symptome subjektiv oft sehr belastend. Daher bedarf es besonderer Vorgehensweisen, um die starke und zum Teil überschießende Immunreaktion bei gleichzeitiger Beseitigung des Erregers zu modifizieren [4,5].

Abb. 1. Übersicht: Zoophile Dermatophyten mit Hauptwirt
Weitere Informationen finden Sie im Heft „Zoophile Mykosen – Fälle aus der Praxis“ PDF herunterladen

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[1] Mayser P. Mykosen; in Braun-Falco’s Dermatologie, Venerologie und Allergologie. Hrsg. G. Plewig, T. Ruzicka, R. Kaufmann, M. Hertl. Springer Verlag. 7. Aufl. 2018; 261-297;

[2] Nenoff P, Handrick W, Krüger C et al. Dermatomykosen durch Haus- und Nutztiere – vernachlässigte Infektionen? Hautarzt 2012; 63: 848-58.

[3] Mayser P. Das Dermatophytid – eine aktuelle Bestandsaufnahme Hautarzt. 2017 Apr;68(4):316-323.

[4] Mayser P. Versorgung von Hauterkrankungen: Stellenwert und Einsatz von Glukokortikosteroiden in fixer Kombination mit Antimykotika. Hautarzt 2016; Sep;67(9):732-8.

[5] Mayser, P. Stellenwert von Glukokortikoiden in der Therapie des Kerion celsi. Haut 4/14; 172-5.

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