Zoophile Mykosen

Verkannter „Meerschweinchenpilz“ bei Geschwistern

© Vitalinka / AdobeStock (Symbolbild mit Fotomodell)

Autor: Dr. med. Viktor Czaika, Facharzt für Innere Medizin, Facharzt für Dermatologie und Venerologie

Diagnose:

Verkannte zoophile Tinea corporis bei Geschwistern

 

Anamnese:

Seit drei Monaten progrediente entzündliche, eigenartig ringförmig konfigurierte Hauterscheinungen am Rücken eines 13-jährigen Mädchens und in geringerer Ausprägung bei deren 11-jähriger Schwester. Subjektiv bestand allenfalls milder Juckreiz. Unter dem Verdacht einer bakteriellen Infektion (unspezifischer Staphylokokkennachweis im Abstrich) war zunächst lokal, später auch systemisch antibiotisch therapiert worden.

Eine mykologische Diagnostik war bislang nicht erfolgt. Ein Meerschweinchen der Familie war anlässlich einer Urlaubsreise in Pflege gegeben worden.

 

Lokalbefund:

13-jähriges Mädchen: am oberen Rücken 3 maximal 15 cm durchmessende erythrosquamöse Plaques in annulärer Konfiguration (Abb. 1a,b). Eine ähnliche ca. 5 cm große Läsion bei der 11-jährigen Schwester (Abb. 2a,b).

Abb. 1a, b: Mädchen 13 Jahre, vor Behandlung © Almirall Hermal GmbH
Abb. 2a, b: Mädchen 11 Jahre, vor Behandlung © Almirall Hermal GmbH

Mikrobiologie:

Entnahme von Hautspänen mittels scharfem Löffel aus dem Randbereich der Läsionen bei beiden Mädchen: Mikroskopie (KOH-Nativpräparat): jeweils positiv; Kultur (Sabouraud-Agar): Trichophyton mentagrophytes; Kultur vom Nackenhaar des (klinisch asymptomatischen) Meerschweinchens: T. mentagrophytes
Tabelle: Meerschweinchenpilz-Kultur-Verlauf © Almirall Hermal GmbH

Therapie und Verlauf:

Im Ergebnis der mykologischen Diagnostik wurde der Nachweis einer durch das Meerschweinchen übertragenen Infektion mit dem zoophilen Dermatophyten Trichophyton mentagrophytes erbracht. Entsprechend dem großflächig ausgeprägten klinischen Befund bei der älteren Schwester war eine antimykotische Systemtherapie indiziert. Nach Aufklärung der Eltern über die Unzulänglichkeit des Zulassungsstatus und entsprechend deren ausdrücklichen Einverständnisses wurde eine antimykotische Systemtherapie mit Terbinafin 250 mg/d eingeleitet.

Aufgrund des stark entzündlichen Lokalbefundes erfolgte die Lokaltherapie mit dem antimykotischsteroidalen Kombinationspräparat Decoderm® tri (zum Pflichttext aller genannten Präparate). Bei der jüngeren Schwester wurde die solitäre Läsion ausschließlich lokal mit Decoderm® tri Creme (zum Pflichttext aller genannten Präparate) behandelt. Die Systembehandlung der älteren Schwester wurde über vier Wochen bis zum Erhalt eines negativen Kultur-Kontrollbefundes fortgeführt.

Unauffällige Routinelaborkontrollen erfolgten vor und während der Therapie. Der Hautbefund des jüngeren Kindes am bereits nach zwei Wochen zur Abheilung. Die topische Applikation von Decoderm® tri Creme (zum Pflichttext aller genannten Präparate) hatte in beiden Fällen zu einer raschen Rückläufigkeit des entzündlichen Befundes und zu baldiger subjektiver Symptomfreiheit geführt (Abb. 3a/b).

Abb. 3a (links): Mädchen 13 Jahre, nach Behandlung. Abb. 3b (rechts): Mädchen 11 Jahre, nach Behandlung © Almirall Hermal GmbH

Das infizierte, aber klinisch unauffällige Meerschweinchen (Abb. 4) wurde tierärztlich vorgestellt und mit Griseofulvin p. o. saniert (in Deutschland seit Mitte 2018 nicht mehr im Handel).

Abb. 4: Überträger Meerschweinchen © Almirall Hermal GmbH

Der „Pflegefamilie“ einschließlich deren Tierbestandes wurde eine hautärztliche Vorstellung empfohlen. Am vorliegenden Fall wird zum einen die hohe Kontagiosität zoophiler  Dermatophytosen deutlich, die nicht nur für die Übertragung von Tier zu Mensch sondern auch für die Weitergabe der zoophilen Erreger von Mensch zu Mensch gilt. Andererseits zählt insbesondere Trichophyton metagrophytes zu den höher virulenten Spezies, die eine starke Entzündungsreaktion hervorrufen und Haut und Haare irreversibel schädigen können. Gleichzeitig wird deutlich, dass die rechtzeitige Diagnostik initialer Läsionen die Chance bietet, eine im Kindesalter nie unbedenkliche Systemtherapie zu vermeiden.

Am vorliegenden Fall wird gezeigt, dass das Kombinationspräparat Decoderm® tri Creme (zum Pflichttext aller genannten Präparate)​​​​​​​ ein sehr effektives Lokaltherapeutikum für die kleinflächige Behandlung zoophiler Dermatophytosen darstellt.

Literatursiehe PDF

Pflichttextesiehe „Pflichttexte“ für alle genannten Präparate

Weitere Informationen finden Sie im Heft „Zoophile Mykosen – Fälle aus der Praxis“

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