Submammäre Kandidose

Wenn was zusammenkommt…

© KM6064 / Istock
Autor: Dr. med. Viktor Czaika, Facharzt für Innere Medizin, Facharzt für Dermatologie und Venerologie

 

Diagnosen:

  • Submammäre Candidose
  • Diabetes mellitus Typ 2

 

Anamnese:

67-jährige Patientin mit seit etwa zwei Wochen sich progredient entwickelnder heftig juckender Entzündung im Brustbereich. Wegen einer Zahnoperation habe sie zuvor über zwei Wochen eine antibiotische Therapie mit Clindamycin erhalten. Der bisher tablettengeführte Diabetes mellitus sei in den letzten Wochen nicht so optimal eingestellt gewesen. Aufgrund einer Praxisrenovierung war auch der Besuch ihres Hausarztes nicht möglich gewesen. Bislang habe sie versucht die Haut mit Vaseline selbst zu behandeln.

Lokalbefund:

Submammär beidseits düsterrote, teils mazerierte Erytheme, unmittelbar im Hautfaltenbereich auch erodiert nässend. In der Umgebung multiple Satellitenpapeln- und pusteln. Insgesamt deutlich entzündlicher, ausgeprägt infiltrierter Prozess (Abb. 1, 2 und 3).

Abb. 1: Lokalbefund © Almirall Hermal GmbH
Abb. 2: Lokalbefund © Almirall Hermal GmbH
Abb. 3: Lokalbefund © Almirall Hermal GmbH

Labor:

HbA1C 10%

 

Mykologie:

(Anzucht auf Sabouraud-Agar)

Submammär: Candida albicans++ bei Anzucht auf Sabouraud-Agar.
Stuhl: Candida albicans+++.

 

Therapie und Verlauf:

Aufgrund des typischen klinischen Befundes wurde eine submammäre Candidose diagnostiziert.

Die randständige „Satellitenmorphe“ ist charakteristisch für die Sprosspilzinfektion. Ebenso konnte das gastrointestinale endogene Erregerreservoir nachgewiesen werden.

Am vorliegenden Fall lassen sich mehrere klassische Prädispositionen erkennen. Zum einen kann eine längere antibiotische Therapie durch Beseitigung der bakteriellen Konkurrenzsituation insbesondere die Candida-Kolonisation des Orointestinaltraktes fördern. Ferner begünstigt der hyperglykämisch dysregulierte Diabetesmellitus die Candidainfektion. Darüber hinaus war die Selbstmedikation der Patientin, mit der das Okklusivmilieu noch potenzierenden Vaseline, der Candida-infektion sehr förderlich.

Die Patientin wurde wie folgt behandelt: Submammär wurde wegen des hoch-entzündlichen Befundes das antimykotisch-steroidale Lokaltherapeutikum Decoderm tri® Creme (zum Pflichttext aller genannten Präparate) angewendet.

Außerdem erfolgte eine selektive Dekontamination des Orointestinaltraktes mit den Nystatin-haltigen Präparaten Candio-Hermal® Suspension (zum Pflichttext aller genannten Präparate) und Nystatin®Dragees (zum Pflichttext aller genannten Präparate). Die Patientin wurde über die kontraproduktive Wirkung der Vaseline-Anwendung informiert und es wurde ihr luftige baumwollene Leibwäsche empfohlen. Schließlich wurde die antidiabetische Therapie durch Neueinstellung auf Analog-Insuline intensiviert.

Immer sollte eine ausgeprägte kutane Candidose auch Anlass sein, eine diabetische Stoffwechselsituation zu überprüfen.

Pflichttextesiehe „Pflichttexte“ für alle genannten Präparate

Weitere Informationen finden Sie im Heft „Zoophile Mykosen – Fälle aus der Praxis“

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Teaserbild Submammäre Kandidose/© KM6064 / Istock

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